Kraftsuppen in der chinesischen Medizin

Allgemein

In der chinesischen Medizin werden Kraftsuppen (Getreide-, Gemüse oder Fleischsuppen) als Energiespender und Heilmittel gesehen, die dazu beitragen können, die Lebensgeister zu wecken.

Es gibt dazu jede Menge Gerüchte und letztlich scheiden sich daran die Geister, was davon zu halten ist: Sind nach der langen Kochzeit, die für alle Kraftsuppe typisch ist, überhaupt noch Nährstoffe vorhanden? Ist es wirklich so arbeitsaufwendig? Ist eine Knochenbrühe nicht ein wenig altmodisch, wenn wir heute wesentlich mehr und sehr viel neues Wissen um Superfoods etc. haben? Wie steht es um Aufwand und Nutzen? Ist das lange Kochen nicht eine Energieverschwendung in Zeiten des Klimaschutzes?

Unterschiedliche Sichtweisen oder doch Parallelen?

In der chinesischen Medizin wird die Kraftsuppe als Heilbrühe oder Arzneisuppe gesehen, die gezielt gekocht und eingesetzt wird um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Während des Kochvorgangs vollzieht sich eine Transformation der Substanzen in Energie, die letztlich dem Körper zugeführt wird.

In den ländlichen Gebieten Asiens ist es daher immer noch üblich, ständig einen großen Topf über dem offenen Feuer zu haben, in dem Fleisch- und Gemüsereste ausgekocht werden. Dabei werden immer wieder Zutaten und Wasser nachgefüllt, und damit die Essenz immer weiter potenziert. Die Kraftbrühe wird mind. 3 mal täglich getrunken. Aber das ist noch nicht alles: Es ist in manchen Gegenden sogar üblich, zu besonderen Anlässen wie z.B. einer Hochzeit, dem das Hochzeitspaar eine wochenlang geköchelte Kraftbrühe zu reichen, um die Nieren zu stärken und damit die Zeugung der Nachkommen zu unterstützen.

Dieser grundsätzliche Gedanke der Stärkung ist jedoch auch in unserer Kultur gar nicht so fremd: Auch unsere Vorfahren haben nach einer schwächenden Krankheit eine Kraftsuppe gekocht, um den Kranken wieder zu Kräften kommen zu lassen.

Dagegen spricht man in der westlichen Gastronomie weniger von einer Kraftsuppe als vielmehr von einem Fond, der ebenfalls durch langes Kochen entsteht. Dieser Fond wird als Grundlage für Suppen und Saucen verwendet. Eine Heilwirkung steht hier nicht im Vordergrund sondern das Aroma und der Geschmack.

Verschiedene Arten von Kraftsuppen

Man unterscheidet dicke Suppen bzw. Breie aus Getreide, wie z.B. Reiscongee, das sowohl süß als auch salzig gegessen werden kann. Im Getreidekorn steckt die geballte Kraft der Getreidepflanze, daher wird auch die Getreidesuppe als Kraftsuppe bezeichnet. Getreidesuppen sind ein hervorragender Energielieferant für jeden Tag. Aus Sicht der chinesischen Medizin sollte Getreide vorwiegend gekocht verzehrt werden. Ein Frischkornbrei aus rohem Getreide wird auf Dauer unsere Mitte schwächen und damit die Fähigkeit, die Nahrung optimal zu transportieren und zu transformieren, reduzieren. Besser und bekömmlicher ist daher das auch bei uns bekannte Porridge.

Kraftsuppen mit chinesischen Heilkräutern verbinden Medizin mit Kochkunst und Genuss. Dies ermöglicht eine gezielte und individuelle Behandlung der Beschwerden entsprechend ihrer Wirkungsweise. Die chinesischen Heilkräuter müssen von einem Arzt oder Heilpraktiker mit Zusatzausbildung in chinesischer Kräuterheilkunde verschrieben und nach Anleitung angewendet werden.

Darüber hinaus werden sämtliche Gemüse-, Fleisch- oder Knochenbrühen als Kraftsuppen bezeichnet. Die Voraussetzung hierfür sind hochwertige Zutaten und eine sehr lange Kochzeit. Über die Auswahl der Gemüse- und/oder Fleischsorten kann man, ähnlich wie bei den chinesischen Heilkräutern, bestimmte Wirkungsweisen im Körper stimulieren.

Durch die lange Kochzeit gehen die Vitamine und Nährstoffe vom Gemüse in die Brühe über, allerdings steigt der Yin-Anteil von dem ausgekochten Gemüse stark an. Soll die Suppe mit Einlage gegessen werden, bietet es sich an, frisches Gemüse kleinzuschneiden, zu dünsten und in der Suppe – mit frisch gehackten Kräutern – zu servieren.

Wirkung der Kraftsuppen

Kraftsuppen bringen Wärme in den Körper. Daher nehmen wir sie insbesondere an kühleren Tagen wohltuend wahr. Unser Körper benötigt die Wärme jedoch immer, selbst im Sommer bei größter Hitze, um bestimmte Körperfunktionen, wie z.B. die Transformation der Nahrungsbestandteile, auszuführen. Menschen, die beispielsweise schnell frieren, haben häufig einen Yang-Mangel und profitieren daher ganz besonders von einer Kraftsuppe.

Darüber hinaus stärken und kräftigen Kraftsuppen den Körper insbesondere nach einer Krankheit. Weiterhin wird auch das Immunsystem unterstützt, indem Abwehrkräfte aufgebaut bzw. stabilisiert werden.

Durch den Genuss der Kraftsuppe wird dem Körper nicht nur Qi zugeführt, sondern es werden zusätzlich auch noch die Säfte in Form von Yin und Blut aufgebaut. Sie hilft damit gegen Müdigkeit und Erschöpfung und kann sogar bei Verstopfung entgegen wirken.

Kraftsuppen wirken generell befeuchtend und können damit positiv Trockenheitsproblemen von Haut, Schleimhäuten und Haaren unterstützen.

Bei Knochenbrühen wird durch den langen Kochvorgang die Gelatine aus den Knochen gelöst und wirkt als natürliches Schmiermittel für Gelenke und Knorpel.

Weiterhin nutzt man die Kraftsuppen traditionell  auch zur Kräftigung und Stärkung direkt nach der Geburt. Dies soll eine Wochenbettdepression verhindern und Blutverluste ausgleichen.

Einschränkungen

Menschen mit Hitzesymptomen sollte die Kochzeit der Kraftsuppe verringern. Je länger die Suppe kocht, um so mehr verstärkt sich ihr wärmender Effekt. Weiterhin sollte der Anteil von Gemüse und Getreide erhöht werden, anstelle von Fleisch (speziell Rind oder Lamm). Hitzesymptome sind zum Beispiel häufiges Schwitzen, ein rotes Gesicht, rote brennende Lippen, aggressives Verhalten/Gereiztheit und auch Verstopfung. Ebenso müssen bestimmte Gewürze sparsam eingesetzt oder besser ganz gemieden werden: Ingwer, Pfeffer, Chili, Lauch, Knoblauch und Zwiebel.

Da eine Kraftsuppe den Körper stärkt, empfiehlt es sich, diese nach einer Krankheit zu konsumieren. Ansonsten könnte der pathogene Faktor (z.B. der Erreger) im Körper gehalten werden und die Heilung würde dadurch um so länger dauern.

Übrigens: Hühnersuppe wird in China nicht im akuten Stadium einer Erkältung empfohlen, sondern erst dann, wenn der Mensch bereits auf dem Weg der Genesung ist. Hühnersuppe ist vor allem dazu da, stark geschwächten Menschen nach einer Krankheit wieder auf die Beine zu helfen.

Eine heilende Suppe kann daher erste Schritt bei der Erhaltung Ihrer Gesundheit sein. Ich möchte Sie daher dazu motivieren die Kraftsuppen ab und zu in Ihren Speiseplan einzubauen um die positive Wirkung auszukosten.

 

 

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